Neue Therapieansätze bei Schlafapnoe
Ein Service der mse Pharmazeutika GmbH
Die obstruktive Schlafapnoe (OSA)
Eine obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist durch die periodische Unterbrechung der Atmung aufgrund des Kollabierens der oberen Atemwege charakterisiert. Dies geschieht z.B. durch die Erschlaffung der oberen Rachenmuskulatur. Dadurch wird die Sauerstoffversorgung reduziert bzw. komplett unterbrochen. Es kommt zu einer Reduzierung der Sauerstoffsättigung im Blut und zu einem Anstieg des CO2-Gehalts und dadurch zu einem mehr oder weniger bewussten Aufwachen, so dass der erholsame Nachtschlaf gestört ist. Ungefähr 3 – 7 % der männlichen und 2 – 5 % der weiblichen Bevölkerung leiden an einer Schlafapnoe, wobei die Dunkelziffer vermutlich höher ist. Risikofaktoren dafür, an einer Schlafapnoe zu erkranken, sind Übergewicht, bereits bestehende Herz-Kreislauferkrankungen oder auch andere Krankheiten wie Akromegalie oder eine Schilddrüsenunterfunktion. Zudem sind Männer häufiger betroffen als Frauen. Zumeist liegt eine veränderte Anatomie des Rachenbereichs vor. Je größer der Anteil weichen Gewebes ist, desto wahrscheinlicher eine Verengung der Atemwege. In Abgrenzung dazu gibt es ebenfalls die zentrale Schlafapnoe, bei der der Atemimpuls im Gehirn ausgesetzt ist. Diese Form der Schlafapnoe tritt allerdings nur bei ca. 10 % der Schlafapnoe-Patienten auf. Bei einer gemischten Apnoe sind sowohl die Atemwege verengt als auch der Atemimpuls im Schlaf gestört.

Magnetresonanzaufnahme der oberen Atemwege
Links: gesunde Person, rechts: Patient mit obstruktiver Schlafapnoe. Der gesamte Rachenraum des Patienten mit Schlafapnoe ist verengt. Aus: Dempsey & Veasey 2010.
Wenn der Atemweg eingeschränkt wird
Anzeichen und Symptome für eine vorliegende Schlafapnoe sind lautes oder unregelmäßiges Schnarchen, Müdigkeit am Tage, das Gefühl, einen nicht erholsamen Schlaf gehabt zu haben, nächtlicher Harndrang, ein trockener Mund beim Erwachen sowie morgendliche Kopfschmerzen.
Obstruktive Apnoen sind definiert als beinahe komplette Unterbrechung des Atemflusses (>90 %) für mehr als 10 Sekunden trotz Atembemühungen. Hypopnoen sind Beschränkungen des Atemflusses (z.B. durch das teilweise Kollabieren der Atemwege) um mehr als 30 % mit einer Senkung des Blutsauerstoffgehalts um mindestens 4 % oder einem Aufwachereignis. Das Aufwachen muss dabei nicht unbedingt bewusst geschehen, in jedem Fall werden jedoch der Puls beschleunigt und Stresshormone ausgeschüttet, so dass der erholsame Schlaf gestört wird. Um die Schwere der Schlafapnoe zu bestimmen, gibt es den sogenannten Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI), der die Anzahl der einzelnen Apnoe-Ereignisse pro Nacht Schwerekategorien zuweist. Patienten mit einem AHI von über 30 Apnoeereignissen pro Stunde haben demnach eine schwere obstruktive Schlafapnoe. Normalerweise haben Schlafapnoe-Patienten keine Probleme ihre Atmung zu kontrollieren, während sie wach sind.
Behandlungsmöglichkeiten sind zum einen die Versorgung mit einer Atemmaske, die durch Luftdruck die Atemwege offenhält (engl. continous positive airway pressure, CPAP). Dadurch kann der AHI auf unter 5 gesenkt werden, allerdings kann es für den Patienten schwierig und unkomfortabel sein, die Maske richtig zu platzieren. Die Schlafapnoe kann durch eine CPAP Maske auch nicht geheilt werden, so dass die Maske ein Leben lang benutzt werden muss. Alternativ besteht die Möglichkeit, den Rachenraum mit einer Spange vor dem Kollabieren zu bewahren oder durch eine operative Korrektur dasselbe zu bewirken.
Die Lebensqualität von Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe ist häufig massiv eingeschränkt. Durch den nicht erholsamen Schlaf in der Nacht entsteht eine Tagesmüdigkeit, die nicht nur zum Einschlafen in unangemessenen sozialen Situationen führen kann, sondern auch eine Verringerung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit mit sich bringt. Die Patienten sind dadurch teilweise in ihren täglichen Aktivitäten (bis hin zur Arbeitsunfähigkeit) und Sozialkontakten eingeschränkt, was zur Entwicklung einer Depression führen kann. Das größte Risiko ist jedoch der sogenannte Sekundenschlaf während des Autofahrens oder des Bedienens von Maschinen, der die Patienten und andere in Gefahr bringt.
Die genauen ökonomischen Folgen der Schlafapnoe können nur abgeschätzt werden und belaufen sich durch Schlafapnoe und ihre direkten (medizinischen) und indirekten Folgen auf über 100 Mrd. Dollar pro Jahr in den USA, was vergleichbar mit anderen chronischen Erkrankungen ist. Einen großen Anteil nehmen dabei die Folgen von Verkehrsunfällen ein, für die Schlafapnoepatienten ein drei- bis siebenfach erhöhtes Risiko haben.
Die Folgen der Schlafapnoen
Obstruktive Schlafapnoen sind ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie z.B. Herzrhythmusstörungen im Schlaf, Herzversagen oder Schlaganfälle. So ist zum Beispiel das Risiko einer Hypertonie bei Patienten mit einer moderaten bis schweren obstruktiven Schlafapnoe (OSA) dreifach erhöht, da obstruktive Schlafapnoen häufig mit Erhöhung des Blutdrucks einhergehen. Die reaktiven Sauerstoffspezies, die bedingt durch Perioden mit einer schlechten Sauerstoffversorgung während des Schlafens entstehen, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies ist ungefähr vergleichbar mit den Bedingungen, die bei einem sogenannten Ischämie-/ Reperfusionssyndrom herrschen. Dabei handelt es sich um Gewebeschäden, die durch eine Wiederdurchblutung nach mehr oder weniger intensiver Minderdurchblutung entstehen. Bei einer OSA ist die Ausprägung zwar geringer, kann aber trotzdem eine Schädigung der Mitochondrien, Entzündungsreaktionen und eine Schädigung der Blutgefäße bewirken, die durch eine CPAP-Behandlung abgeschwächt werden können. Zudem ist die obstruktive Schlafapnoe ein Risikofaktor für Arteriosklerose und Arrhythmien sowie Diabetes.
Zusätzlich trägt eine Schlafapnoe zu kognitiven Einschränkungen und neuronalen Schädigungen bei. Viele Patienten weisen Aufmerksamkeitsdefizite, Gedächtnis- und Lernschwierigkeiten und Überforderung bei komplexen Situationen wie z.B. im Straßenverkehr auf. Auch wenn die Schlafapnoe an sich durch eine CPAP-Behandlung verbessert werden kann, bleiben die kognitiven Einschränkungen häufig erhalten, da die Sauerstoffunterversorgung und die daraus resultierende Schlafunterbrechungen auf Dauer zu neuronalen Schädigungen im Gehirn führen, besonders in Arealen, die für das Gedächtnis und das Ausführen von Aufgaben zuständig sind.
Schlafapnoen und die Mitochondriale Medizin
In den Mitochondrien wird die Energie aus unserer Nahrung in eine für unseren Körper verwertbare Form, das Adenosintriphosphat (ATP), umgewandelt. Dies geschieht in der sogenannten Atmungskette, an der verschiedene Komplexe in der inneren Mitochondrienmembran beteiligt sind. Als natürliche Nebenprodukte können Reaktive Sauerstoffspezies (engl. reactive oxygen species, ROS) entstehen, vor allem das Superoxidradikal /O2-•. Im gesunden Körper wird dieses durch antioxidative Enzyme innerhalb der Mitochondrien zu Wasser umgewandelt wird. Durch eine zu große Bildung von ROS können die antioxidativen Reserven allerdings an Ihre Grenzen geraten und durch das Superoxidradikal Schädigungen an Proteinen, Lipiden, der Erbsubstanz (DNA) und Zellbestandteilen entstehen.
Erhöhter oxidativer Stress, in dessen Folge ROS entstehen können, kann Ursache für Zellschädigungen und letztendlich auch für viele verschiedene Krankheiten sein. Bei Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe werden eine gestörte Regulation des oxidativen Stresses sowie ein gestörter Energiestoffwechsel vermutet.
Eine Vielzahl Mitotroper Substanzen trägt direkt und indirekt zur Erhaltung der natürlichen Funktion der Mitochondrien und zu ihrem Schutz bei. Diese meist körpereigenen Substanzen spielen in der Regel zentrale Rollen im mitochondrialen Stoffwechsel und sind für viele Stoffwechselreaktionen essenziell.